Die aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), veröffentlicht am 15.03.2023, zeigt auf, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland circa 1,4 Millionen Arbeitsplätze durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gefährdet sind. Dies sind rund 4,2% der derzeitigen Erwerbstätigen im Land.
In der Analyse identifiziert das IAB spezifische Branchen, die unverhältnismäßig stark von dieser Entwicklung betroffen sind. Im Bereich der Bauwirtschaft sind 350.000 Arbeitsplätze gefährdet, gefolgt von der Verkehrswirtschaft mit 280.000 und der Lagerwirtschaft mit über 200.000 potenziellen Arbeitsplatzverlusten. Diese Zahlen sind belegbar durch das IAB-Datenarchiv und basieren auf ermittelten Durchschnittswerten und branchenspezifischen Prognosen.
Berufe in Gefahr
Besonders gefährdet sind laut der IAB-Studie Berufe, die Routineaufgaben durchführen, beispielsweise:
- Maschinenführer
- Verwaltungsangestellte
- Fahrer von Transportmitteln
- Assistenzkräfte in der Verwaltung
Diese Berufe machen insgesamt etwa 800.000 der gefährdeten Stellen aus. Der Bericht nennt spezifische Entwicklungen wie die Automatisierung in der Logistik, die durch KI-Systeme effizienter gestaltet wird und somit den Bedarf an menschlichen Fahrern reduziert.
Jedoch gibt es auch Berufe, die durch Künstliche Intelligenz nicht nur überleben, sondern sogar neue Perspektiven eröffnen. Die Rolle der Datenanalytiker und KI-Entwickler wird in den kommenden Jahren entscheidend wachsen, mit geschätzten 200.000 neuen Stellen, die bis 2030 bereitgestellt werden. Diese Zahlen stammen von einer Prognose des Digitalverbands Bitkom, veröffentlicht am 02.02.2023.
Geldflüsse im Bereich KI
Eine Untersuchung von Venture Capital Aktivitäten zeigt, dass zwischen Januar 2020 und September 2023 mehr als 12 Milliarden Euro in KI-Start-ups in Deutschland investiert wurden, wobei prominenteste Investoren wie die Deutsche Telekom, BMW und SAP jeweils mehr als 100 Millionen Euro in diverse Projekte gesteckt haben. Diese Investitionen korrelieren stark mit der steigenden Nachfrage nach KI-Technologien und der Schaffung neuer Arbeitsplätze in diesem Sektor.
Die Verlagerung der Arbeitsmarktstruktur hin zu einem zunehmend von KI geprägten Umfeld erfordert, dass die aktuellen Beschäftigten sich neu orientieren. Fortbildungsmaßnahmen im Bereich Datenanalyse und KI-Entwicklung sind hierfür entscheidend. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat dafür bereits 50 Millionen Euro an Fördermitteln zugesagt, wie aus dem Bundesanzeiger vom 12.11.2023 hervorgeht.
Stille Verbindungen und Lobbynetzwerke
Die rapide Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz wird auch durch zahlreiche Lobbynetzwerke unterstützt, deren Einfluss auf die Politik ansteigt. Finanzielle Zuwendungen an politische Parteien im Zusammenhang mit der Digitalisierung sind im Lobbyregister dokumentiert: Im Jahr 2022 wurden insgesamt 7 Millionen Euro für Lobbyarbeit im Bereich KI verzeichnet, wobei Unternehmen wie Microsoft und Amazon die Hauptspender waren.
Zusätzlich sind viele Entscheidungsträger in politischen Gremien derzeit in Aufsichtsräten von KI-Firmen aktiv. Dies zeigt die tiefere Verquickung zwischen Technologieentwicklung und politischer Entscheidungsmacht. Beispielsweise sitzt Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin, seit März 2023 im Aufsichtsrat von Siemens AG, die stark in den KI-Sektor investiert.
Das Muster der Veränderungen
Es ist das dritte Mal seit 2019, dass eine solche Studie von einem deutschen Institut veröffentlicht wird, die signifikante Arbeitsplatzverluste in Folge von Digitalisierung und KI prognostiziert. Die vorherigen Berichte, veröffentlicht am 20.06.2019 von der Hans-Böckler-Stiftung sowie am 10.01.2021 durch das Deutsche Institut für Normung, weisen ähnliche Trends und vermutlich ähnliche Besitzer von Berufen aus.
Die strukturellen Veränderungen durch KI werden nachhaltige Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben. Mindestens 1,4 Millionen Menschen sind gefährdet, und diese Zahlen erfordern sofortige Maßnahmen der politischen Akteure. Am 20.04.2023 wurde ein Referentenentwurf zur Förderung der digitalen Transformation in der Bundesregierung vorgestellt. Diese Initiative sollte auch als Antwort auf die Herausforderungen der KI-Entwicklung dienen.
Fakt ist, dass der Wandel des Arbeitsmarkts durch Künstliche Intelligenz weniger eine Frage des "ob", sondern vielmehr eine Frage des "wann" ist.
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