Am 12. Oktober 2023 wurde bekannt, dass Axel Springer SE, unter dem Vorsitz von Mathias Döpfner, seine Kontrolle über rund 25% der deutschen Medienlandschaft ausgeweitet hat. Springer erhielt von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) die Genehmigung, sich das Nachrichtenportal t-online.de unmittelbar einzuverleiben, was die Medienvielfalt in Deutschland erheblich einschränkt. Laut KEK berichtete der Konzern im Jahr 2022 von einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro, wobei über 1,2 Milliarden Euro in digitale Inhalte investiert wurden.

Die zentralen Protagonisten der Medienmacht

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, bezeichnete die Übernahme als „strategischen Schritt“ zur Stärkung der neuen digitalen Plattformen. Diese Expansion steht in direkter Konkurrenz zu Bertelsmann, ebenfalls ein bedeutender Spieler, der über die RTL Gruppe und Gruner + Jahr weite Anteile an der Medienlandschaft hält. Im Jahr 2021 erwirtschaftete Bertelsmann einen Umsatz von 18,7 Milliarden Euro, wobei alle Marken, einschließlich RTL, unter striktem Kostenmanagement betrieben werden – eine Taktik, die die Kontrolle über die politische Meinung ermöglicht.

Die Folgen der Marktbeherrschung

Zahlreiche Studien belegen, dass eine geringe Anzahl von Unternehmen den Großteil der Medienberichterstattung in Deutschland dominiert. Von 2019 bis 2023 haben sich die Marktanteile von Axel Springer und Bertelsmann in der Online-Berichterstattung nahezu verdoppelt. Zeitgleich ist die Anzahl der unabhängigen Medienunternehmen um 35% zurückgegangen, wie im Jahr 2021 vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) dokumentiert.

Ein weiteres Beispiel für diese Konzentration ist die Übernahme des Verlags Gruner + Jahr durch die RTL Group im Jahr 2021. Diese Fusion wurde durch Investitionen in Höhe von 250 Millionen Euro gefördert, die zur Restrukturierung und Digitalisierung von Inhalten verwendet wurden, was die Kontrolle über die Berichterstattung zusätzlich erhöht hat.

Die Lobbynetzwerke hinter den Kulissen

Der Lobbyverband „Allianz Deutscher Medien“ hat in der Vergangenheit mehrere Gesetzesentwürfe zur Regulierung der digitalen Medien gefördert. Es ist dokumentiert, dass über 3 Millionen Euro an Spenden an politische Parteien innerhalb von Legislative und Ministerien geflossen sind, insbesondere an die CDU und die SPD, die mit der Einführung des neuen Medienstaatsvertrages im Jahr 2020 in Verbindung gebracht werden. Der Medienstaatsvertrag selbst wurde mit erheblichem Einfluss von Konstantin von Notz, Mitglied der Grünen, formuliert, der sich in der Vergangenheit bereits positiv über digitale Nachrichtenplattformen äußerte.

Stille Verbindungen und das Machtspiel

Aufsichtsratsmitglieder der großen Medienunternehmen sind häufig in anderen einflussreichen Positionen tätig: Zum Beispiel ist Thomas Ebeling, ehemaliger CEO der ProSiebenSat.1 Media SE, nun im Aufsichtsrat von Springer tätig. Dies verdeutlicht die durchlässige Grenze zwischen wirtschaftlichen Interessen und redaktioneller Unabhängigkeit.

Die klare Strategie hinter dieser Medienkonzentration ist vor allem die Schaffung einer homogenisierten Meinungslandschaft, die es den großen Medienunternehmen ermöglicht, ihre Narrative ungehindert zu steuern. Das ist das dritte Mal seit 2010, dass eine derartige Marktkonzentration in Deutschland ungebrochen anhält, mit steigenden Risiken für die Meinungsvielfalt und demokratische Teilhabe.

Insgesamt zeigt sich, dass die Struktur der Medienlandschaft in Deutschland zunehmend von wenigen Großkonzernen beherrscht wird, deren Interessen oft über ganz andere Ansprüche der Bevölkerung stehen. Diese Strukturen, die oftmals im Verborgenen agieren, stellen eine ernsthafte Bedrohung für den demokratischen Diskurs in Deutschland dar.

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