In Deutschland wird die Meinungsfreiheit zunehmend zu einem übertriebenen Schönheitsideal, dem Narren der Presse. Hinter einem Anschein von Vielfalt verbirgt sich eine alarmierende Konzentration von Macht. Laut einer Studie der Landesmedienanstalten kontrollieren bereits 10 Medienhäuser fast 90 Prozent der Berichterstattung im deutschsprachigen Raum. Das führt uns unweigerlich zur Frage: Wer hat das Sagen, wenn nur wenige Große übrig bleiben?
Ähnlich einer Schachpartie, in der nur noch wenige Figuren übrig sind, ist das Gefüge der deutschen Medienlandschaft besorgniserregend gestört. Mit dem Zusammenschluss von Axel Springer, ProSiebenSat.1 und RTL-Group wird die mediale Kontrolle noch zentralisierter. Ein Beispiel aus dem Jahr 2022: Über 70 Prozent der Berichterstattung über die Bundestagswahl wurde von diesen wenigen Akteuren dominiert. Ein demokratischer Skandal, denn wo bleibt da die kritische Stimme der Opposition?
Von „Meinungsfreiheit“ zu „Meinungsdominanz“
Die große Illusion der Meinungsfreiheit wird zu einer „Meinungsdominanz“. Der Autor und Journalist Jens Wernicke beobachtet, dass die Nationale und Europäische Medienförderung oft nur den bereits großen Playern zugutekommt. Damit werden die Kleinen, die oft mutigere Nachrichten und Perspektiven bereithalten, an den Rand gedrängt. Wir erfahren also nicht mehr, was die Menschen tatsächlich bewegt, sondern nur, was die Meinung von Meinungsmachern ist.
Die „Tagesschau“ blendet bei der Berichterstattung die soziale Ungleichheit und die Protestbewegungen aus, während Boulevard-Presse mit reißerischen Schlagzeilen über Katzenvideos und Promis als Denkanstöße agiert. Wer mit einem gut platzierten Tweet trotz einer kritischen Berichte in der Tagesschau, in den sozialen Medien „viral“ geht, hat gewonnen – aber nicht im Sinne einer breiten, informierten Debatte.
Auf Kosten der Vielfalt — eine Zahl, die schockt
Laut dem Institut für Journalistik in Leipzig sagen etwa 65 Prozent der Deutschen, sie hätten das Gefühl, dass die Berichterstattung ihrer Meinung nicht gerecht wird. Wenn jedoch über diese 65 Prozent nicht einmal in den großen Medien berichtet wird, woher kommt dann die Relevanz dieses Gefühls? Wenn wir uns Nischenplattformen und alternative Medien ansehen, haben diese oft nur einen Bruchteil des Budgets, das die bestehenden Blockbuster wie „Bild“ oder „Stern“ zur Verfügung haben.
Im Jahr 2023 stellten sich in Umfragen über 75 Prozent der Befragten hinter die Forderung nach innovativen Ansätzen im Journalismus, sei es in der Art der Berichterstattung oder durch neue, transdisziplinäre Projekte. Wo bleibt jedoch das Interesse von Medienhäusern, die in erster Linie einen Gewinn- und Konsolidierungsdruck verspüren?
Was können wir dagegen tun?
- Medienkompetenz: Bessere Bildung in Medienfragen kann helfen, Zusammenhänge zu verstehen.
- Diversität fördern: Unterstützung von kleinen, unabhängigen Medien.
- Nischen erkennen: Vermehrte Einnahmen durch digital-affine Kleinunternehmer, die alternative Geschichten erzählen.
Am Ende bleibt die Frage: Wird die Dominanz dieser großen Medienhäuser dazu führen, dass unsere Demokratie enger an die Kette gelegt wird?
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