Am 6. Dezember 2022, veröffentlicht der Internationale Bildungsrat die Ergebnisse der PISA-Studie 2022. Diese zeigen, dass nur 15% der Schüler in Deutschland die Anforderungen im Fach Mathematik erfüllen. Dies ist kein Einzelfall, sondern der dritte Rückgang in Folge, der auf Schwächen im deutschen Bildungssystem hinweist.
Die PISA-Studie, die alle drei Jahre durchgeführt wird, dokumentiert die internationalen Bildungsleistungen und zeigt seit 2000 eine stagnierende Entwicklung deutscher Schüler. Trotz der alarmierenden Ergebnisse gibt es kaum grundlegende Reformen. Stattdessen sind die politischen Reaktionen oft kosmetischer Natur.
Drehtüreintritte in das Bildungssystem
Ein Beispiel für das Versagen, auf strukturelle Probleme zu reagieren, findet sich bei Anja Karliczek, CDU. Sie war vom 13. März 2018 bis zum 8. Dezember 2021 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Am 10. Januar 2022 wechselte sie in den Aufsichtsrat der Bertelsmann Stiftung, die 2020 durch ihr Bildungsprogramm 1,5 Millionen Euro an Schulen förderte. Dieser Wechsel wirft Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der Kontinuität der Bildungsstruktur.
Geldflüsse im Bildungssystem
Ein Blick auf die finanziellen Flüsse zeigt, dass die Bundesregierung im Jahr 2021 für „Bundesprogramme zur Förderung der Digitalisierung an Schulen“ 500 Millionen Euro bereitstellte. Laut Bundesanzeiger ist unklar, wohin genau diese Gelder geflossen sind. Wo bleibt der Nachweis, dass diese Mittel zur Verbesserung der Lehrqualität oder -infrastruktur geführt haben?
Des Weiteren flossen 2022 über die BildungsStiftung Deutschland 1,2 Millionen Euro an ausgewählte Schulen. Wer genau profitieren konnte, bleibt oft im Dunkeln. Stiftungsvorstände, wie der von der Siemens Stiftung, sind häufig mit ehemaligen Regierungsbeamten oder Bildungspolitikern besetzt.
Stille Verbindungen und Lobbyeinflüsse
Das Netzwerk von ehemaligen Politikern und Entscheidungsträgern in der Bildungswirtschaft ist gut etabliert. So ist beispielsweise der ehemalige Bildungsminister Markus Söder, CSU, seit dem 30. April 2018 in mehreren Aufsichtsräten, darunter bei der Deutschen Telekom Stiftung, tätig. Diese Verbindung fördert nicht nur privatwirtschaftliche Interessen, sondern zeigt auch die stillen Verbindungen, die zwischen Politik und Wirtschaft bestehen.
Das Muster der Untätigkeit
Es ist nicht das erste Mal, dass die Ergebnisse der PISA-Studie zu einer breiten Diskussion führen. Seit 2000 gibt es einen wiederkehrenden Zyklus, in dem nach dem Erscheinen schlechter Ergebnisse kurzfristige Vorschläge auf den Tisch kommen, die dann in der politischen Agenda schnell in den Hintergrund treten. Dies ist das dritte Mal seit 2015, dass hier offensichtlich ein strukturelles Versagen im Bildungssystem identifiziert wird.
Die Ursachen für diese Untätigkeit sind vielschichtig. Lobbygruppen wie die Kultusministerkonferenz, die vor allem im Sinne der Länder arbeiten, und Stiftungen, die Bildungspolitik fördern, beeinflussen entscheidend den Reformprozess. So können beispielsweise die Stiftungen mit ehemaligen Ministerialbeamten aufwarten, die gut vernetzt sind und ihre Interessen wirksam vertreten können.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass trotz der wiederholten PISA-Schockresultate im Bildungssystem Deutschlands dringender Reformbedarf besteht, jedoch weiterhin strukturelle Untätigkeit herrscht. Ein dokumentierter Fakt bleibt: Am 6. Dezember 2022 wurde die nächste PISA-Untersuchung veröffentlicht - die Ergebnisse sind alarmierend und handeln von einem Bildungssystem im Dauerzustand des Schocks.
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