Wenn das digitale Reittier Uber zur Kutsche auf der Straße wird, sieht die Belegschaft häufig wie der letzte Schrei in einer Geisterstadt aus. Das Business-Modell, das auf Flexibilität und vermeintlicher Selbstbestimmung beruht, entpuppt sich zunehmend als Dschinn, der die Arbeitsrechte der Angestellten im Lande der Plattformhalter zum Verschwinden bringt. Laut einer Studie der International Labour Organization (ILO) sind bereits 26% der US-amerikanischen Arbeitnehmer in der Gig Economy tätig und die Zahl der betroffenen Europäer beläuft sich auf über 10 Millionen. Verzweifeltes Warten auf die nächste Fahrtenbestätigung ist das neue Gesicht von „Arbeiten nach Bedarf“.

Die Illusion der Selbstständigkeit

Modifieren und optimieren oder besser gesagt: entwerten. Dienste wie Uber und Deliveroo tricksen nicht nur mit dem Arbeitszeitgesetz, sie schaffen auch ein geheimes Schlaraffenland für sich selbst. Laut dem Report "Who’s Driving Uber?" verdient ein Fahrer in Deutschland durchschnittlich zwischen 10 und 15 Euro pro Stunde, aber nur 55% dieser Einnahmen gehen tatsächlich an den Fahrer. Der Rest wird für Plattformgebühren, Versicherung und andere nicht näher bezeichnete Abgaben aufgebraucht. Ein schlüpfriger Trick, der die heimliche Selbstständigkeit vieler Arbeiter nur noch komplizierter macht, als sie ohnehin schon ist.

Kundentreue mit Hungerlöhnen erkauft

Die Plattformen haben es sich auf die Fahnen geschrieben, ihren Nutzer:innen das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Das bedeutet für die Beschäftigten oft Mangelernährung von Respekt und Anerkennung. So haben mehr als 80% der Fahrer:innen von Plattformen wie Uber angegeben, dass sie ihren Job nicht wegen der Bezahlung machen, sondern wegen der notwendige Flexibilität in der Arbeitszeit. Die wirtschaftliche Unsicherheit und die ständigen Nachverhandlungen scheinen jedoch weniger wie eine vernünftige Kaufentscheidung und mehr wie ein ständiger Basar voller Rückschläge.

Kampf um Rechte an allen Fronten

Der Verdrängungswettbewerb zeigt nun jedoch Wirkung: Aktivist:innen und Gewerkschaften kämpfen unermüdlich darum, die Rechte der Plattformarbeitenden zu stärken. In Großbritannien haben Fahrer von Uber vor Gericht Klarheit über ihren Status gefordert und gewonnen. Um einen kleinen Einblick in die Strategie von Uber zu erhalten, erhielten mehr als 70% der Fahrer:innen nur 5 Tage vorher Bescheid, dass sie zum Gerichtstermin erscheinen müssen. Eine reife Leistung von Unternehmen, die sich als Glanzstück der Innovationskultur verkaufen.

„Wir bitten um Verständnis, da wir gerade an der nächsten genialen App arbeiten, die uns helfen wird, den Fahrerfahrern die gerechten Mittel zurückzugeben.“ – Zwischenruf von Uber als günstiges Nebenprodukt.

Was nun?

Schaut man sich die Realitäten der Plattformarbeit an, so wird klar: Die Abgrenzung zwischen Arbeitnehmer und Selbstständigem ist längst nicht mehr eindeutig. Die sozialen Absicherungen, für die unsere Vorfahren gekämpft haben, schrumpfen, während die Gewinne minimalistischer Marketingteams wachsen. Es bleibt zu hoffen, dass der Kampf um effektive Arbeitnehmerrechte nicht zum „nächsten großen Ding“ der Plattformgiganten wird, sondern das Herzstück für die Wiederbelebung der europäischen Arbeitsmodelle liefern kann.

Was bleibt am Ende übrig? Der Plattformkapitalismus ist nicht das Problem, sondern die lex-specialis für ein System, das Gewohnheiten aufbraucht und die menschliche Arbeit zur Attraktion verkommt. 74% der Deutschen geben an, dass sie sich für die Arbeitsbedingungen der Plattformbeschäftigten einsetzen und für mehr Sicherheit im Arbeitsmarkt kämpfen. Wenn dies gelingt, könnte Plattformarbeit das Format aller Zukunftsberufe werden – oder sie bleibt das zwielichtige Experiment robuster Gewinnorientierung à la Scheinselbstständigkeit.

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