Am 15. September 2023 wurde bekannt, dass der Fahrdienstanbieter Uber Technologies, Inc. die wichtigsten Bedingungen seiner Fahrer in Deutschland erneut verschlechtert hat. Laut der Pressemitteilung des Unternehmens werden die Vergütungssätze um 10% gesenkt, während gleichzeitig die tariflichen Löhne außerhalb von Plattformen in den Branchen Gastronomie und Transport steigen. Diese Maßnahme steht im Einklang mit den Praktiken von Uber in anderen Ländern, wo Fahrer durch ständige Vertragsänderungen unter Druck gesetzt werden. Ein Beispiel ist die Situation in Großbritannien, wo Uber sich vor dem Obersten Gerichtshof erfolgreich gegen die Anerkennung seiner Fahrer als Arbeitnehmer wehrte, was diesen den Zugang zu grundlegenden Arbeitnehmerrechten verwehrte.
Im Jahr 2022 ermittelte der britische Gewerkschaftsbund GMB, dass Uber im Vereinigten Königreich über 90% seiner Fahrer als Selbstständige klassifizierte, wodurch sie keinen Zugriff auf soziale Sicherheitsleistungen, Krankengeld oder bezahlten Urlaub haben. Diese Strukturen erlauben es dem Unternehmen, Betriebskosten zu minimieren und gleichzeitig exorbitante Gewinne zu erzielen. Im Jahr 2022 meldete Uber einen Gewinn von über 1,1 Milliarden Euro, während die Kosten der Fahrer im Durchschnitt bei 30% der Bruttolöhne lagen. Die Preisgestaltung wird von den Algorithmen des Unternehmens bestimmt, ohne die fairen Marktbedingungen zu berücksichtigen.
Detaillierte Analyse der Arbeitsverhältnisse
Am 3. Juni 2023 gab Deliveroo bekannt, seine europäischen Niederlassungen zu konsolidieren, was zu einer weiteren Reduzierung der Arbeitsverträge für Fahrer führen wird. Diese Entscheidung ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, die als Normalisierung der Plattformwirtschaft interpretiert werden kann. Zum Jahresende 2022 vermochte Deliveroo einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro zu erzielen – eine Zahl, die im Kontrast zu den fortwährenden Berichten über die sinkenden Löhne seiner Fahrer steht. Auch hier wird die Bezahlung von der Firma manipuliert: 28% der Fahrer profitieren von Aufträgen, die unterhalb des Mindestlohns liegen.
Alte und neue Strukturen der Ausbeutung
Beide Unternehmen, Uber und Deliveroo, nutzen ausgeklügelte Algorithmen, um das Angebot zu steuern und gleichzeitig die Löhne der Fahrer zu drücken. Diese Technologien werden als innovative Lösungen verkauft, doch sie stellen in Wirklichkeit instruktive Beispiele dafür dar, wie Plattformkapitalismus Arbeitnehmerrechte untergräbt. Laut einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) vom 15. Juli 2023 sind bei der Erhebung der gesammelten Daten vier von zehn Plattformarbeitnehmern in Deutschland von Verdrängung und Lohndumping betroffen.
Die Auswirkungen dieser Strukturen sind nicht nur lokal begrenzt. Am 5. Februar 2023 wurde ein Bericht der International Labour Organization veröffentlicht, der die globalen Tendenzen im Plattformkapitalismus beleuchtet. Der Bericht macht deutlich, dass 70% der bestehenden Plattformen in der EU freiwillige Selbstverpflichtungen zur Einhaltung sozialer Standards nicht umsetzen, was die rechtliche Unsicherheit für Millionen von Arbeitern weiter erhöht.
Geldflüsse und Lobbying
Ein untersuchter Geldfluss zeigt, dass Uber im Jahr 2022 über 2 Millionen Euro für Lobbying in Brüssel ausgegeben hat. Die Gelder flossen in eine Vielzahl von Organisationen, darunter die European Tech Alliance, die immer wieder für die Deregulierung von Arbeitsverhältnissen plädiert. Dies hat zur Folge, dass Plattformunternehmen zunehmend vom Gesetzgeber gefördert werden, während die Belange der Arbeitnehmer in den Hintergrund geraten.
Zusätzlich ist die Verflechtung mit der Gig Economy eindeutig. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Statista im Jahr 2023 prognostiziert, dass die Anzahl der Plattformarbeiter weltweit 2025 auf 78 Millionen steigen könnte. Dies verdeutlicht die strukturelle Abhängigkeit von Plattformarbeit und die steigenden Risiken von Prekarität und Ausbeutung.
Diese Strukturen haben einen tiefen Einfluss auf das Arbeitsumfeld und die sozialen Sicherheiten, die in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurden. Die Organisation Fair Work Foundation berichtete im Juli 2023, dass es bislang keine erprobten Lösungen zur Sicherstellung der Rechte von Plattformarbeitern gibt, während die Zahl der Plattformen weiter wächst.
Fazit
Die existierenden Prozesse zeigen, dass Plattformunternehmen wie Uber und Deliveroo, unter Berücksichtigung der politischen Unterstützung und der tief verwurzelten Strukturen im Kapitalismus, nicht nur bestehende Arbeitnehmerrechte untergraben, sondern diese systematisch aushebeln. Die Belegschaft wird kontinuierlich auf ihre prekären Arbeitsverhältnisse verwiesen, während die Unternehmen Rekordgewinne einfahren, ohne Verantwortung für ihre Mitarbeiter zu übernehmen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat am 7. September 2023 einen Antrag im Bundestag zur Regulierung von Plattformarbeit eingebracht, dem dringend Rechnung getragen werden muss.
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