Am 15. Dezember 2022 stellte Dr. Lars Müller, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutsche Startups e.V., die alarmierenden Statistiken zur Startup-Landschaft in Deutschland vor. Laut aktuellen Berichten scheitern über 80% der Startups innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung. Diese Zahl, dokumentiert im Jahresbericht des Bundesverbands für 2022, hebt die Herausforderungen hervor, denen deutsche Gründer gegenüberstehen: ein komplexes regulatorisches Umfeld, mangelnde Risikobereitschaft der Investoren und eine Kultur des Scheiterns, die nach wie vor negativ behaftet ist.
Regulatorische Hürden und Investorenmentalität
Ein zentraler Punkt für das Scheitern deutscher Startups ist die enge regulatorische Rahmenbedingungen, die von verschiedenen Ministerien formuliert wurden. Am 01. Januar 2020 trat das neue Unternehmensgesetz in Kraft, das zahlreiche Vorschriften zur Unternehmensgründung verschärfte. Dies führte zu einem Rückgang der Neugründungen um 25% im Vergleich zum Vorjahr, so die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes.
Zusätzlich ist die Risikobereitschaft der Investoren äußerst begrenzt. Laut dem Startup Monitor 2022 investieren nur 20% der Venture-Capital-Geber in Ideen, die als riskant gelten. Dies hat zur Folge, dass viele innovative Konzepte keine finanzielle Unterstützung finden, wie der Fall der gescheiterten Plattform „EcoFlow“ zeigt, die 2019 mit einem innovativen Energiekonzept scheiterte, nachdem die Investoren ihr Interesse wegen der hohen Risiken zurückzogen.
Kulturelle Faktoren des Misserfolgs
Ein weiterer bedeutender Faktor ist die gesamtgesellschaftliche Einstellung gegenüber dem Thema Scheitern. Laut einer Umfrage des Instituts für Mittelstandsforschung aus dem Jahr 2021 geben 60% der Befragten an, dass sie Scheitern als gesellschaftlich inakzeptabel empfinden. Diese Kultur des Fauxpas wirkt sich nachhaltig auf die Gründermentalität aus und hemmt den Mut zur Gründung. Ein exemplarisches Beispiel ist der Fall von Nina Schmidt, die 2019 ihr Startup zum Thema nachhaltige Mode gründete, aber nach einem Jahr wieder aufgab, da sie den Druck und die Stigmatisierung des Scheiterns nicht mehr ertragen konnte.
Das Muster der aufgelegten Strukturen
Dies ist das dritte Mal seit 2018, dass Studien die hohe Scheiterquote deutscher Startups beleuchten. Der Zulauf von Gründern geht oft mit einem langsamen und schleichenden Rückgang der Neugründungen einher, was sich in der Statistiken des Marktforschungsinstituts für 2023 mit einem weiteren Rückgang um 15% niederschlägt. Ein Grund könnte auch in den bestehenden Netzwerken der Unternehmer liegen: Nur 30% der Gründer geben an, über branchenspezifische Netzwerke Unterstützung erhalten zu haben.
Fazit und Ausblick
Die Herausforderungen der Startup-Kultur in Deutschland sind vielschichtig und durch strukturelle, kulturelle sowie regulatorische Faktoren geprägt. Ein Umdenken ist erforderlich, um die Neugründungen voranzutreiben und eine aufgeschlossene Kultur des Mutes zu fördern. Nur durch kreative Ansätze und die Reduzierung bürokratischer Hürden können deutsche Startups in Zukunft erfolgreicher bestehen.
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