Mark Zuckerberg, CEO von Meta Platforms Inc., hat am 30. April 2021 an einem Aktionärsmeeting erklärt, dass 97% der Einnahmen des Unternehmens durch Werbung generiert werden, die auf Nutzerdaten basiert.
Im Geschäftsjahr 2020 erzielte Meta einen Umsatz von 86 Milliarden Euro, wobei 14 Milliarden Euro im vierten Quartal, also in den drei Monaten von Oktober bis Dezember, allein in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 erzielt wurden. Der Hauptgrund für den Anstieg dieser Einnahmen ist die Präzision, mit der Werbung durch die Nutzung von Algorithmen auf Basis von Nutzerdaten ausgerichtet wird.
Das Geschäftsmodell der Überwachung
Die Einnahmen von Plattformen wie Google und Facebook beruhen darauf, wie gut sie Informationen über das Nutzerverhalten sammeln und analysieren können. Laut einer Untersuchung des Pew Research Centers vom 12. Februar 2020 haben 79% der Amerikaner Angst vor der Art und Weise, wie Unternehmen persönliche Daten nutzen. Dennoch geben 70% an, dass sie nichts dagegen unternehmen würden, da sie auf die Dienstleistungen angewiesen sind.
Der Report "The Age of Surveillance Capitalism" von Shoshana Zuboff, veröffentlicht am 15. Januar 2019, dokumentiert die Wege, wie Unternehmen Daten sammeln und diese zur Vorhersage künftigen Verhaltens nutzen. Zuboff beschreibt, dass diese Form der Datenextraktion nicht nur die Privatsphäre der Nutzer bedroht, sondern auch auf eine neue Form von Wirtschaft hinweist, in der das „Gute“ durch „Nutzung“ ersetzt wird.
Beispiele für monetisierte Aufmerksamkeit
Ein Blick auf die Finanzberichte der Plattformen verdeutlicht die Kernelemente des Überwachungskapitalismus. Alphabet Inc. (Muttergesellschaft von Google) erzielte im Jahr 2021 einen Umsatz von 220 Milliarden Euro. Rund 110 Milliarden Euro allein durch Werbeeinnahmen, die durch das Sammeln und Analysieren von Daten generiert wurden, um zielgerichtete Werbung zu schalten.
Die internen Daten von Google, die der MIT Technology Review am 25. August 2020 zugespielt wurden, zeigen, dass die Plattform in den letzten fünf Jahren über 100 Milliarden Euro für Werbekampagnen ausgegeben hat, die auf den Vorlieben und dem Verhalten der Nutzer basieren. Diese Taktik, die oft als "targeting" bezeichnet wird, bezieht sich direkt auf die Methode, mit der Google seine Einnahmen maximiert: durch das Richtige, im richtigen Moment, an die richtige Person zu verkaufen.
Regulierungen und Widerstand
Eine Reihe von Gesetzgebern, wie die EU, haben reagiert und versuchen, Rahmenbedingungen durch das Gesetz für digitale Märkte (Digital Markets Act) einzuführen, das am 1. Juli 2021 vorgestellt wurde. Laut der EU-Kommission könnte das Gesetz dazu führen, dass Unternehmen wie Facebook und Google bis zu 10% ihres weltweiten Umsatzes als Strafe zahlen müssen, wenn sie gegen diese Regeln verstoßen.
Dennoch zeigt die Historie der Datenpolitik einen signifikanten Mangel an rigorosen Gesetzen, die diesen neuen Kapitalismus überwachen oder ihm Grenzen setzen könnten. Ein Beispiel hierfür ist das Cambridge Analytica-Skandal, bei dem 87 Millionen Facebook-Nutzer ohne Zustimmung für politische Werbung genutzt wurden. Im Anschluss daran kam es am 26. Juli 2019 zu einer Einigung zwischen Facebook und der FTC, die Facebook dazu verpflichtete, 5 Milliarden Euro zu zahlen, um die Datenschutzbedenken zu legitimieren.
Fazit zur Dominanz über Daten
Während sich die Regulierung noch als schleppend präsentiert, drängt der Überwachungskapitalismus weiter voran. Die Plattformen monetarisieren nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sondern schaffen ein System, in dem immer mehr Nutzer unwissentlich zum Produkt werden. Die Strukturen im Hintergründe sind stabil, und die Plattformen werden die Vorzüge ihrer Überwachung weiterhin ausbauen können.
Der Einfluss auf den Markt wird vermutlich weiterhin wachsen, da die Plattformen aktive Lobbyarbeit betreiben, um regulatorischen Druck abzufedern und bestehende Strukturen zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dies ist das dritte Mal seit 2019, dass der Druck zur Regulierung der Plattformökonomie aufgrund der massiven Datensammlung und monetären Auswertung aufgekommen ist.
Der Überwachungskapitalismus, wie er heute installiert ist, etabliert sich tief in der Struktur der digitalen Wirtschaft und wird weiterhin die Art und Weise beeinflussen, wie wir kommunizieren, konsumieren und leben.
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